Dezember 2016
Neues aus Norwegen

Liebe Wildnisliebhaber, Neugierige, Interessentinnen, Reise- und Kursteilnehmer, Weggefährtinnen, Freunde!

Seit einem Monat haben wir Winter in Nord-Østerdalen. Von einem Tag auf den anderen schneite es bis hinab in die Täler und der Schnee blieb liegen. Die Wälder und Berge erstrahlen in herrlichem Weiss, ein wunderbarer Ausgleich für das schwindende Tageslicht. Auch wenn die Tageslänge sich ihrem Tiefpunkt nähert ist es ein Genuss, draussen umherzustreifen. Auf Ski natürlich, bei einem halben Meter Schnee. Es ist alles klar für die kommende Wintersaison, die ich euch hier näher vorstellen möchte.

Die Themen heute:

 

Skilaufen auf traditionellen Holzski

Einer alten Sage nach war es ein Gott, der die Ski – eher zufällig – auf die Erde brachte. Er soll einen himmlischen Elch gejagt haben, quer über das Himmelsgewölbe. Der Elch aber sprang in seiner Verzweiflung hinunter auf die Erde, wohin der Gott ihm folgte. So kamen auch die Menschen zu diesem göttlichen Fortbewegungsmittel. Tatsächlich dokumentieren steinzeitliche Fundstücke und vor allem Felsmalereien, dass Menschen Ski benutzten, lange Jahrtausende vor der Erfindung des Rades.

Ohne Ski würden wir hoffnungslos in den Schneemassen stecken bleiben. Wir haben nicht die Konstitution und Kraft, durch den tiefen Schnee zu stapfen wie die Elche oder zu pflügen, wie es die Moschusochsen tun. Und wir sind nicht leicht genug wie die Füchse und Schneehasen, die einfach auf dem Schnee dahinlaufen. Ski sind das Geschenk der Götter, das uns hinauf auf die Schneeoberfläche erhebt. Doch damit nicht genug, auf Ski können wir gleiten, und ich kenne tatsächlich nur ein Tier, das dieses Privileg mit uns teilt.

Skilaufen auf traditionellen Holzski - auch Tiere tun es (Bild)

Skilaufen ist erhaben und elegant, und dabei so einfach. Zunächst brauchst du nichts weiter als zwei Planken (das nordische Wort ski entspricht dem deutschen Scheit, gespaltenes Holz). Du bindest sie unter deine Schuhe und los geht’s. Spezialkleidung oder -stiefel wie beim modernen Langlauf oder Alpinski sind überflüssig. Das traditionelle Skilaufen auf Holzski ist ein Spiel mit der verschneiten Landschaft: den richtigen Hangwinkel finden, um nicht zu langsam oder zu schnell zu werden, Balance halten, einen geeigneten Weg zwischen den Hügeln und Senken wählen, nicht zu steil, nicht zu flach, und sich im Labyrinth der Bäume zurechtfinden. Das Ganze verläuft nahezu technikfrei. Ein Stückchen gleiten, sich neu orientieren und wieder ein Stück gleiten, oder auch steigen. Wir benutzen dabei keine Felle wie beim Tourenski. Die Holzstruktur der Ski und etwas Wachs geben genug Halt für sanfte Anstiege. Lust darauf bekommen? Kommt einfach her, um es auszuprobieren. Ich habe auch wieder einen Bonus für euch parat: Wer bis zum Dreikönigstag eines der Winterprogramme bucht, bekommt die möglichen Zusatzleistungen geschenkt.

 

Skitour: Winterland Nord-Østerdalen (Bild)

SKITOUR
Winterland Nord-Østerdalen

Die Skitour ist das älteste meiner Winterprogramme. Es bietet Leuten, die weder mit Skilaufen, noch mit dem nordischen Winter vertraut sind, den einfachsten Einstieg. Unsere Unterkunft ist eine Alm, die uns eine Nachbarin aus meinem Dorf überlässt. Seit diesem Sommer ist auch die grössere der beiden Hütten behutsam renoviert, und ich bin gespannt darauf, sie im neuen Glanz zu sehen. Die Alm liegt strategisch perfekt auf dem Sattel zwischen zwei Bergmassiven und zwei Tälern. Wir haben reiche Auswahl an Tourmöglichkeiten, die wir je nach Wetterbedingungen und Laune nutzen, im Fichten- oder Kiefernwald, auf den Mooren, einer Hochebene oder hoch auf einen Gipfel. Wir können ausserdem ganz in der Nähe der Alm eine Nacht im Wald biwakieren, am Lagerfeuer kochen, und unter dem Sternenhimmel schlafen. Wem das zu gewagt erscheint, kann für sich entscheiden, in der Hütte zu bleiben oder zu ihr zurückzukehren. Die volle Beschreibung findet ihr hier:

 

Wildniskurse in Norwegen: Wildnisleben im Wintercamp (Bild)

WINTER WILDNIS CAMP
Feuer und Eis : Femundsmarka

Brandneu ist das Wintercamp, im letzten Newsletter habe ich es bereits erwähnt. Ich habe schon lange davon geträumt, ein Programm in dem auch international bekannten Wildnisgebiet der Femundsmarka anzubieten. Seit eineinhalb Jahren habe ich Kontakte geknüpft und Pläne geschmiedet, und nun ist es endlich soweit. Das Winter Wildnis Camp ist der Wildniskurs für alle, die auf winterliches Wildnisleben und ‘Wintersurvival’ neugierig sind. Wir leben im offenen Schneelager und in Schneehöhlen oder Iglus, die wir selbst anlegen. Während des gesamten Aufenthalts haben wir eine Alm als Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung, gehen also kein Risiko ein. Natürlich nutzen wir auch hier wieder traditionelle Holzski, doch nicht das Skitouren Gehen, sondern das Leben unter nordischen Winterbedingungen steht im Mittelpunkt des Kurses. Spezielle Vorkenntnisse sind auch hier nicht erforderlich. Und hier geht es weiter zur vollständigen Beschreibung:

 

Backcountry Skitrekking: Winterabenteuer und Wildniserfahrung (Bild)

SKITREKKING
Rentier-Hochland Forollhogna

Wenn ihr dagegen eine knackige Skitour sucht, ist diese winterlichen Trekkingtour im Hochland des Forollhogna-Nationalparks die richtige Wahl. Während neun Tourtagen ziehen wir durch die weisse Weite, begegnen möglicherweise auch wilden Rentieren. Ähnlich wie die bekanntere Hardangervidda, ist Forollhogna ein Schutzgebiet für wilde Rentiere. Doch anders als dort, gibt es hier keine Infrastruktur und kaum Touristen. Die einzigen Unterkünfte sind Jagdhütten mit nur wenigen Schlafplätzen, die die Gruppengrösse auf ganze vier Teilnehmer begrenzen. Für unsere Tour habe ich eine Sondergenehmigung erwirkt. Auch daher ist das Skitrekking eine exklusive Sache. Hier die volle Beschreibung:

 

NATURMENTORING
Persönlichkeitsbildung

Wie die meisten von euch wissen, habe ich das neue Naturmentoring im Herbst an den Start gebracht. Die ersten Teilnehmer haben bereits ihre einjährige Reise zu mehr Naturverbindung angetreten – für mich eine grosse Freude, sie dabei begleiten und unterstützen zu dürfen. An dieser Stelle möchte ich euch darauf aufmerksam machen, dass ich derzeit noch begrenzte Kapazitäten zur Betreuung frei habe. Bis Jahresende gilt auch noch der um ein Drittel vergünstigte Einführungspreis. Die volle Beschreibung findet ihr hier:

 

Update: Wolfsjagd in Norwegen

Im letzten newsletter hatte ich ausführlich über die Wolfsthematik und die bevorstehende Wolfsjagd geschrieben. Seither ist eine Menge geschehen, über das ich euch hier auf dem Laufenden halten will. Zunächst: es hat eine grosse Demonstration in Oslo gegeben, bei der Tausende Menschen ihre Stimme für die Wölfe erhoben haben. Weiter haben über 70.000 Menschen Petitionen gegen die Wolfsjagd unterschrieben. Dank eurer Rückmeldungen weiss ich, dass einige dieser Unterschriften auf eure Initiative zurückgehen. Habt vielen Dank dafür!

Bislang hat all das nicht an der Entscheidung der Raubtierkommissionen rütteln können. Aber: der norwegische Naturschutzbund hat eine Klage beim Klima- und Umweltministerium eingereicht, um den Abschuss von vier Wolfsrudeln (immerhin 24 Tiere), die innerhalb ausgewiesener Schutzzonen leben und keine Schäden in den davon getrennten Weidegebieten verursacht haben können, abzuwenden. Die Entscheidung über diese Klage steht unmittelbar bevor. Wenn ihr der Klage weiteren Nachdruck verleihen wollt, könnt ihr über die Internetseiten des norwegischen Naturschutzbundes eine e-mail an den norwegischen Klima- und Umweltminister schicken. Es eilt:

[Die Aktion ist beendet.]

 

Die vereinte Stimme der Naturvölker

Ich hatte nie die Absicht, diesen newsletter zu einer politischen Plattform zu machen. Doch es gibt Bereiche, die mit meinem Selbstverständnis als Wildnismentor so verquickt sind, dass ich sie nicht ausnehmen kann, wie die Wolfsjagd. Und wie ein anderes Thema, das mich in den vergangenen Wochen stark berührt hat, und an dem ich euch unbedingt teilhaben lassen möchte.

Es ist die Versammlung der Wasserbeschützer bei der Standing Rock Sioux Reservation in North Dakota, USA, und ihren Widerstand gegen den Bau einer Rohölpipeline. Ich sage jetzt nichts dazu, was ich vom Neubau einer Ölpipeline halte, denn darum geht es mir hier nicht. Was ich so grossartig finde ist, dass endlich die Stimme der Naturvölker vereint, laut und deutlich um den ganzen Globus herum zu hören ist.

Es ist sensationell: die sieben Stämme der Sioux halten erstmals seit einhundertfünfzig Jahren gemeinsam Rat. Mehrere hundert Stämme aus beiden Teilen Amerikas und von anderen Kontinenten haben Delegationen geschickt, in Standing Rock versammelt und Verträge zur gegenseitigen Unterstützung besiegelt. Die norwegischen Sami haben eine Delegation geschickt und zu Hause in Norwegen für Aufruhr gesorgt: sie haben aufgedeckt, dass die norwegische, teils staatliche Grossbank DNB und der Staatspensionsfonds entgegen der staatlichen Divestment-Policy in die schmutzigen Geschäfte verwickelt sind. DNB hat ihre Beteiligung aufgrund des Drucks bereits zurückgezogen.

Es rührt mich wirklich an, was hier geschieht: die Naturvölker haben ihre Weltsicht auf die internationale Tagesordnung gesetzt. Ihre Stimme ist kräftig geworden und nicht mehr zu überhören. Es lohnt sich, auf die Nachrichten zu achten, die die in Standing Rock Versammelten um die Welt schicken. Ich möchte auch euch dazu einladen, auch hinzuhören.

Sal Gencarelle, ein Mitglied in Jon Youngs 8shields Institute, hat einen Beitrag geschrieben, den ich euch besonders ans Herz legen möchte. Er spannt den Bogen von den aktuellen Ereignissen in Standing Rock zu den Jahrtausende zurückreichenden Ursachen dafür. Er spannt den Bogen zum heutigen allgemeinen Zustand der Menschheit und weiter bis zu dir. Lest selbst (auf englisch):

In Norwegen, in der tiefsten Dunkelheit des nordischen Winters, ist die Bedeutung eines Lichtfunkens in der Finsternis so offensichtlich. Die Versammlung von Standing Rock ist ein funkenstiebendes Feuer, das weit leuchtet und das Hoffnung macht. Lasst es uns weiter anfachen, unsere Lichtfunken hinzufügen!

Auf facebook habe ich weitere Infos geposted. Schaut dort gern rein.

Winter in Norwegen: Lagerfeuer im Schnee (Bild)

Sendekanäle

Wie üblich möchte ich euch explizit auf alle meine Sendekanäle aufmerksam machen.

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Ich wünsche euch eine gute Vorweihnachtszeit. Sorgt für euch, für Ruhe und Besinnung, auf dass ihr das kommende Jahr frisch und neu beginnen könnt.

Beste Grüsse aus dem hohen Norden

Thoralf

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